Medien in Kinderhand

Ran an Maus & Tablet – das muss man Kindern nicht zweimal sagen. Sie wachsen längst ganz selbstverständlich mit Medien auf und haben Spaß am Experimentieren mit den kleinen, mobilen Geräten. In rund dreiviertel der Haushalte mit Kindern gibt es ein Tablet und ein Streaming-Abonnement. Die Ausstattung mit Smartphones liegt bei nahezu 100%, mit digitalen Fotokameras bei 80%. Durchschnittlich findet der Einstieg in die Medienwelt mit unter 1 Jahr statt. Ausführliche Untersuchungen zur familiären Medienausstattung und -nutzung sind z.B. hier nachzulesen: Grunddaten Kinder und Medien 2020, saferinternet.at 2020, KIM-Studie 2020, Mini-KIM 2020.

Kind mit Handy

Schon Kleinkinder gehen intuitiv mit der digitalen Technik um, tippen und wischen und freuen sich darüber, dass sie auf dem Monitor Reaktionen ausgelöst haben.
Kindergartenkinder bedienen oftmals selbstständig den CD-Player, den Fernseher oder das Radio, wissen, wie sie die Bildschirmsperre des Smartphones lösen können, und knipsen mit digitalen Fotokameras ihren Alltag. Rund die Hälfte greift täglich zum (Bilder-)Buch, etwa ebenso viele sehen täglich fern.

csm_miniKIM_2021

Die im Okt. 2021 veröffentlichte MiniKIM-Studie 2020 zeigt auf, dass vor allem alternative Möglichkeiten zum linearen Fernsehen populär geworden sind. Die zwei- bis fünfjährigen Kinder verbringen bereits genau so viel Zeit mit Streamingdiensten wie mit dem klassischen Fernsehen. Rund 40% der Eltern gaben an, dass ihre Kinder im Zuge der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen höhere Mediennutzungszeiten hatten, dies betraf v.a. die Nutzung von sogenannten Bewegtbildern wie Fernsehen und Videospiele. Durchschnittlich liegt die tägliche Bildschirmzeit in der Altersgruppe der 2- bis 5-Jährigen bei 67 Minuten. Weitere Ergebnisse der MiniKim-Studie 2020 können hier nachgelesen werden: www.mpfs.de/studien/minikim-studie/2020

Doch obwohl oftmals schon kleine Kinder scheinbar ganz souverän mit den Geräten umgehen, sollten Erwachsene nicht aus dem Blick verlieren, dass Kinder Medieninhalte anders verstehen als wir Erwachsenen.
Im Kindergartenalter ist die Wahrnehmung von Medieninhalten stark von den kindlichen Erfahrungen, ihrem bisherigen Wissen geprägt, d.h. je dichter die Inhalte an der eigenen Lebenswelt sind, umso intensiver nehmen Kinder sie wahr, umso mehr berühren und beschäftigen sie sie. Verschiedene Handlungsstränge oder Zeitsprünge sind für sie nicht nachvollziehbar, Realität und Fiktion, Programm und Werbung nur schwer oder gar nicht zu trennen.
Für die Nutzung von Spielapps lässt sich besipsielsweise beobachten, dass ein Kind die Pfanne auf dem Display nicht berühren will, weil es weiß, dass Pfannen heiß sind (vgl. Feil 2016).
Kindergartenkinder sollten Medien also nicht alleine nutzen. Erwachsene sollten dabei sein und Offenheit und Interesse zeigen, um dem Kind die Möglichkeit zu geben, Fragen zu äußern und so Inhalte zu verstehen und zu verarbeiten.
Ausführliche Informationen zur kindlichen Medienwahrnehmung hat das JFF – Institut für Medienpädagogik zusammengestellt: kinder.jff.de/information/aufwachsen-mit-medien

Kinder chatten

Spätestens im Grundschulalter sind Kinder in der Bedienung der verschiedenen Geräte sehr versiert, sie stellt nicht mehr wirklich eine Herausforderung für sie dar. Das gilt nicht unbedingt für die Inhalte. Dass Medien gemacht sind, man nicht alles glauben kann, was gedruckt oder gesendet wird, was Werbung bezweckt, wie man sich im Internet bewegt, sich in der Informationsflut zurechtfindet, wo Gefahren lauern… hier gibt es durchaus noch Informations- und Unterstützungsbedarf.
Es geht also nicht unbedingt darum, Kinder an Medien heranzuführen, sondern ihnen einen bewussten, sinnvollen, kompetenten Umgang damit zu vermitteln. Und Medien können kreativ und zur Unterstützung von Bildungszielen in Kindergarten und Grundschule eingesetzt werden.

Gerät bedienen

Mit diesem Materialpaket wollen wir pädagogische Fachkräfte anregen, sich auf den Weg zu machen und Medien im Bildungsprozess einzusetzen. Die Faszination und Begeisterung, die Kinder Medien und ihren Inhalten entgegenbringen, birgt eine große Motivation in sich, die für den Bildungsprozess nicht ungenutzt bleiben sollte.

Wie fängt man an?

Wie macht man sich auf den Weg, um medienpädagogisch aktiv(er) zu werden, Medien zu thematisieren und sie als Werkzeug in pädagogischen Prozessen einzusetzen? Mit diesem Materialpaket wollen wir pädagogische Institutionen dabei unterstützen und haben zahlreiche Informationen, Anregungen, Tipps und Methodenbausteine zusammengestellt.

Kinder mit Gerät 2

Informationen über medienpädagogische Beratungs- und Fortbildungsangebote in Hessen finden Sie im Kapitel Institutionen & Initiativen. Für andere Bundesländer können solche Informationen z.B. bei den jeweiligen Landesmedienanstalten abgerufen werden (auf www.die-medienanstalten.de gibt es eine Übersicht aller Landesmedienanstalten).

Ene Mene Medien – 3 Bausteine für die Medienarbeit in Kitas ist ein solches Beratungs- und Fortbildungsangebot, das Kitas in Hessen nutzen können. Lesen Sie hier: Eine Kita, die sich “auf den Weg gemacht hat”, im Gespräch mit Jochen Wilke vom Blickwechsel e.V.

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Ein weiteres Angebot ist das Internet-ABC, das die sichere und kompetente Nutzung des Internets vermittelt. Als Ratgeber im Netz bietet es konkrete Hilfestellungen und Informationen über den verantwortungsvollen Umgang mit dem World Wide Web. Die werbefreie Plattform richtet sich mit Erklärungen, Tipps und Tricks an Kinder von fünf bis zwölf Jahren, Eltern und Pädagogen. Das Projekt wird von dem gemeinnützigen Verein Internet-ABC e. V. getragen.
www.internet-abc.de

Weitere Angebote in Hessen finden Sie auf www.lpr-hessen.de/medienkompetenz sowie auf den Seiten der Institutionen, die wir in der Rubrik Institutionen & Initiativen vorstellen.